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Theodor Roemer

Theodor Roemer

German university teacher and writer (1883-1951)
The basics
Quick Facts
Intro German university teacher and writer (1883-1951)
Countries Germany
Occupations University teacher Writer
Gender male
Birth 20 November 1883 (Pfrondorf)
Death 3 September 1951 (Halle (Saale))
Star sign Scorpio
Politics Nazi Party
The details
Biography

Theodor Roemer (* 20. November 1883 in Pfrondorf (Württemberg), heute Stadtteil von Tübingen; † 3. September 1951 in Halle (Saale)) war ein deutscher Agrarwissenschaftler. Er gehört zu den herausragenden Vertretern des Acker- und Pflanzenbaus und der Pflanzenzüchtung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Leben

Theodor Roemer, Sohn eines Pfarrers, absolvierte nach dem Abitur eine dreijährige landwirtschaftliche Lehre in Ostpreußen. Danach war er als Verwalter in einem Saatzuchtbetrieb tätig. Von 1904 bis 1907 studierte er Landwirtschaft in Hohenheim und Breslau. Seit 1908 arbeitete er als Assistent am Landwirtschaftlichen Institut der Universität Jena. Dort wurde er 1910 mit einer Arbeit aus dem Gebiet der Pflanzenzüchtung zum Dr. phil. promoviert.

Nach der Promotion ging Roemer im Auftrag des Reichskolonialamtes nach Deutsch-Ostafrika. Als Sachverständiger für Landwirtschaft begründete er dort unter anderem eine Baumwollzuchtstation. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1912 wurde er Assistent bei Erich von Tschermak-Seysenegg an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, der ihm die Leitung des Gregor-Mendel-Instituts für Gemüse- und Obstzüchtung in Eisgrub übertrug. Von 1914 bis 1918 war Roemer Abteilungsvorsteher für Pflanzenzüchtung am Kaiser-Wilhelm-Institut für Landwirtschaft in Bromberg. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er eine Tätigkeit als Saatzuchtleiter bei der Firma Strube in Schlanstedt.

Ende des Jahres 1919 folgte Roemer einem Ruf an die Universität Halle und übernahm den Lehrstuhl für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. Als Direktor des gleichnamigen Instituts wirkte er hier zunächst bis Mitte des Jahres 1945. Roemer war von 1932 bis 1934 Mitglied des Stahlhelms. 1934 wurde er Förderndes Mitglied der SS und nach Ablauf der Aufnahmesperre 1938 auch Mitglied der NSDAP. Ab 1941 war Roemer Mitglied im Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund (NSDDB). Für das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft erstellte er ab 1941 Anbaupläne für die eroberten Gebiete Osteuropas und war Mitglied in den gemeinsamen Saatgutkommissionen mit den Achsenstaaten Rumänien und Ungarn. 1944 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse.

Nach 1945 wurde er im Auftrag der amerikanischen Besatzungsmacht mit anderen Wissenschaftlern der Universität Halle nach Westdeutschland evakuiert, über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt. 1946 kehrte er nach Halle zurück. Seine Rückkehr fiel zusammen mit den Vorbereitungen zur Gründung einer Landwirtschaftlichen Fakultät. Im Zuge dieser Veränderung der Universitätsstruktur wurde das von ihm bis 1945 geleitete Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, das nach heutigem Wissenschaftsverständnis ein Institut für Pflanzenproduktionslehre gewesen ist, in fünf Einzelinstitute aufgegliedert (Acker- und Pflanzenbau, Pflanzenzüchtung, Phytopathologie, Futterbau und Kulturtechnik). Von 1946 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1951 war Roemer Leiter des Instituts für Acker- und Pflanzenbau.

Forschungsleistungen

Roemers Forschungsschwerpunkt in Halle war die Pflanzenzüchtung. Die Arbeiten aus seinem Institut wurden vor allem richtungsweisend für die Resistenzzüchtung. Wesentliche Fortschritte erzielte er auch auf dem Gebiet der Qualitätszüchtung. In Zusammenarbeit mit mehreren seiner Mitarbeiter konnte er nachweisen, dass die Backqualität des Weizens in hohem Maße genetisch bedingt ist. Unter der Ägide Roemers wurden in Halle 22 neue Getreidesorten mit hoher Ertragsleistung, hoher Resistenz gegenüber Krankheiten und guter Backqualität gezüchtet.

Die von Roemer begründete Hallesche Schule der Pflanzenzüchtung besaß bereits vor 1933 hohes internationales Ansehen. Maßgeblich förderte Roemer die 1935 unter der Leitung von Arnold Scheibe durchgeführte Deutsche Hindukusch-Expedition, deren Teilnehmer Saatgut von Wild- und Kulturpflanzen für die wissenschaftliche Pflanzenzüchtung sammelten. – Roemer war Mitherausgeber und Mitautor des von 1941 bis 1950 erschienenen Handbuches der Pflanzenzüchtung.

Trotz seiner Vorliebe für die Pflanzenzüchtung fühlte sich Roemer stets zuständig für das Gesamtgebiet des Acker- und Pflanzenbaus. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Feldversuchswesen. Wegweisend für die technische Durchführung von Feldversuchen wurde seine erstmals 1920 veröffentlichte Schrift Der Feldversuch. Ein Wahlspruch Roemers lautete: „Ohne blühendes Versuchswesen keine blühende Landwirtschaft“. Seine Idee, eine enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis durch die Gründung von Versuchsringen herzustellen, fand bei den Landwirten großen Widerhall. Zwischen 1922 und 1932 entstanden in Deutschland über 700 solcher Versuchsringe, die Düngungs-, Bodenbearbeitungs- und auch Sortenversuche durchführten. 1933 löste der Reichsnährstand diese Versuchsringe auf, doch nach 1945 lebte diese Idee in den landwirtschaftlichen Beratungsringen wieder auf.

Auf dem Gebiet des Ackerbaus galt Roemers Interesse bevorzugt den Fragen der Bodenbearbeitung und der Bodenfruchtbarkeit. In mehreren Übersichtsbeiträgen hat er den jeweils aktuellen Wissensstand und die noch offenen Forschungsfragen auf diesen zentralen Gebieten des Ackerbaus dargestellt. Gemeinsam mit dem Bodenkundler Fritz Scheffer schrieb er ein wiederholt aufgelegtes Lehrbuch des Ackerbaus, das als Roemer/Scheffer mehrere Jahrzehnte ein Standardwerk der wissenschaftlichen Landbau-Literatur gewesen ist. Seine bedeutendste Veröffentlichung auf dem Gebiet des Speziellen Pflanzenbaus ist das 1927 erschienene Handbuch des Zuckerrübenbaues. Mehrere acker- und pflanzenbauliche Beiträge hat er in den beiden Auflagen des von ihm mitherausgegebenen fünfbändigen Handbuches der Landwirtschaft (1929–1930 und 1952–1954) publiziert.

Roemer hat auf zahlreichen Auslandsreisen mannigfache Anregungen für seine Lehr- und Forschungstätigkeit erhalten. Bedeutsam für ihn war vor allem eine achtmonatige Studienreise in die USA im Jahre 1925, über die er einen ausführlichen Reisebericht veröffentlichte. Weitere Reisen führten ihn in die Sowjetunion und in viele europäische Länder. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte sich Roemer mit zukünftigen Fragen der Nahrungsmittelproduktion. Weite Beachtung fand seine 1949 veröffentlichte Schrift Probleme und Fernziele der deutschen Feldwirtschaft.

Von 1925 bis 1944 war Roemer Schriftleiter der Zeitschrift Zuckerrübenbau und von 1931 bis 1951 Mitherausgeber der Zeitschrift für Pflanzenzüchtung. Von 1929 bis 1944 hatte er die redaktionelle Verantwortung für die pflanzenbaulichen Sonderbände der Zeitschrift des Kühn-Archivs. Von 1929 bis 1934 war er verantwortlicher Herausgeber des Archivs für Pflanzenbau.

Roemer war ein angesehener Hochschullehrer mit großer Ausstrahlungskraft. Die Ausbildung von Studenten und Nachwuchswissenschaftlern war ihm stets ein besonderes Anliegen. Während seiner über drei Jahrzehnte währenden Tätigkeit an der Universität Halle führte er 200 Doktoranden zur Promotion. Dreizehn seiner Schüler beziehungsweise Mitarbeiter habilitierten sich an seinem Institut.

Ehrungen und Auszeichnungen

Roemer war seit 1924 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina zu Halle (Saale) und seit 1935 Mitglied der Schwedischen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften. Die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Kiel verlieh ihm 1950 den Justus-von-Liebig-Preis. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik ausgezeichnet. Die Würde eines Ehrendoktors verliehen ihm 1948 die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim und 1951 die Universität Leipzig.

Noch in der Zeit des Nationalsozialismus stiftete der Reichsverband der Deutschen Pflanzenzucht anlässlich Roemers 60. Geburtstag (1943) einen Betrag von 50.000 Reichsmark für die Gründung der Theodor-Roemer-Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. – Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung in Detmold verleiht seit 1953 die Roemer-Medaille für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Getreideerzeugung, der Getreidezüchtung und der Getreidequalität. – Die Gesellschaft der Freunde der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vergibt seit 1996 den Theodor Roemer-Preis an Diplomanden, Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter und Hochschullehrer für hervorragende wissenschaftliche Leistungen.

Schriften (Auswahl)

  • Der Feldversuch. Eine kritische Studie auf naturwissenschaftlicher-mathematischer Grundlage. Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1920, 2. Aufl. 1925, 3. Aufl. 1930 = Arbeiten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft H. 302.
  • Beobachtungen auf dem Gebiete des Ackerbaus in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bericht über die Ergebnisse einer im Jahre 1925 durchgeführten Studienreise. Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1926, 2. Aufl. 1927 = Berichte über Landwirtschaft. N. F. Sonderheft 4.
  • Handbuch des Zuckerrübenbaues. Unter Mitwirkung von A. Schaumburg. Verlagsbuchhandlung Paul Parey 1927.
  • mit Friedrich Aereboe und Johannes Hansen (Hrsg.): Handbuch der Landwirtschaft. 5 Bände, Berlin 1929/30.
  • mit Fritz Scheffer: Ackerbaulehre Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1933, 2. Aufl. ebd. 1944, dann als Lehrbuch des Ackerbaues weitergeführt: 3. Aufl. ebd. 1949. Nach dem Tode Roemers erschienen noch zwei von Fritz Scheffer und Otto Tornau bearbeitete Auflagen: 4. Aufl. ebd. 1953, 5. Aufl. ebd. 1959.
  • Die Züchtung resistenter Rassen der Kulturpflanzen (gemeinsam mit W. H. Fuchs und K. Isenbeck). Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1938.
  • Probleme und Fernziele der deutschen Feldwirtschaft. Eine Diskussionsgrundlage. Verlag Paul Parey Berlin 1949; zugl. in: Zeitschrift für Acker- und Pflanzenbau Bd. 91, 1949, S. 265–297

Literatur

  • Erich von Tschermak-Seysenegg: Theodor Roemer zum 60. Geburtstag. In: Zeitschrift für Pflanzenzüchtung Bd. 25, 1943, S. 187–189 (m. Bild).
  • Georg Blohm: Theodor Roemer †. In: Kühn-Archiv Bd. 64, 1951, S. IV–XVI (m. Bild u. Schriftenverzeichnis).
  • Otto Tornau: Theodor Roemer zum Gedächtnis. In: Zeitschrift für Acker- und Pflanzenbau Bd. 94, 1952, S. 101–105 (m. Bild).
  • Gustav Könnecke: Theodor Roemer und das Institut für Acker- und Pflanzenbau der Universität Halle. In: 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Bd. 3: Halle-Wittenberg 1945–1952. Halle/Saale 1952, S. 183–191 (m. Bild).
  • Lilly von Nathusius: Theodor Roemer. Lebensabriss und bibliographischer Überblick. Halle 1955 = Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt. Nr. 12 (mit Kurzbiografie u. vollständiger Bibliografie aller Veröffentlichungen Roemers einschl. der an seinem Institut angefertigten Arbeiten seiner Schüler und Assistenten).
  • Paul F. Pelshenke: Über die Weiterentwicklung der Ideen Theodor Roemers. In: Kühn-Archiv Bd. 76, 1962, S. 11–18.
  • Werner Isbaner: Theodor Roemer – sein Wirken als Hochschullehrer und Forscher, Züchter und Praktiker (1883–1951). In: Tagungsbericht der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR Nr. 224, Tl. 1, 1984, S. 13–28.
  • Eduard Weber: Roemer, Theodor Ernst M.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 726 f. (Digitalisat).
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