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Peter Brückner

Peter Brückner German social psychologist

German social psychologist
The basics
Quick Facts
Intro German social psychologist
A.K.A. P. Brückner
Was Author Psychologist Professor Educator
From Germany
Type Academia Healthcare Literature
Gender male
Birth 13 May 1922, Dresden, Germany
Death 10 April 1982, Nice, France (aged 59 years)
Star sign TaurusTaurus
The details
Biography

Peter Brückner (* 13. Mai 1922 in Dresden; † 10. April 1982 in Nizza) war ein deutscher Kritischer Sozialpsychologe und Hochschullehrer. Wegen seines politischen Engagements wurde er in den 1970er Jahren zu einer Symbolfigur der Neuen Linken in Westdeutschland.

Leben

Peter Brückners Mutter war eine englische Jüdin und Konzertsängerin. Unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes emigrierten sie und ihre beiden älteren Söhne aus erster Ehe nach England. Peter Brückner erfuhr erst spät, dass er nach den Nürnberger Rassegesetzen „Halbjude“ war. Es gelang ihm jedoch, diesen Umstand weiter geheimzuhalten. Als sein Absolventenjahrgang nachdrücklich aufgefordert wurde, in die NSDAP einzutreten, wurde er – der sich damals schon dem kommunistischen Untergrund angeschlossen hatte – sogar als Parteimitglied angenommen.

Peter Brückner lebte bis zum Abitur 1941 im Internat der Staatlichen Oberschule Zwickau. In den letzten Schuljahren knüpfte er Kontakte zu Hitler-Gegnern und politisierte sich. Nach Schulabschluss wurde er zu einem in Wien stationierten Landesschützen-Bataillon eingezogen. Von dort aus unterstützte er auch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit österreichischen Kommunisten Kriegsgefangene und Deserteure.

Er studierte in Münster Psychologie u. a. beim Gestalt- und Individualpsychologen Wolfgang Metzger und wurde 1957 über das Rorschach-Verfahren promoviert. Zunächst arbeitete er im sozialpädagogischen Bereich.

Mit seiner zweiten Ehefrau Erika Brückner (1927–2002) gründete er die erste Erziehungsberatungsstelle der Bundesrepublik. Sie hatten vier Kinder. Später betrieben sie von 1965 bis 1974 mit Hermann Lehmann und Edith Lehmann die Arbeitsgemeinschaft für Sozial und Wirtschaftsforschung (ASW), ein Institut für Marktforschung in Heidelberg mit dem Schwerpunkt auf qualitative Produkt- und Imageanalysen. In Heidelberg kam Peter Brückner in Kontakt mit Alexander Mitscherlich. Daraufhin machte er eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Schließlich nahm er Kontakt zum Berliner und Frankfurter SDS auf.

1967 bekam er einen Lehrstuhl für Psychologie in Hannover. Durch sein Engagement für die Belange der Studentenbewegung wurde er – neben Klaus Holzkamp in West-Berlin – zum populärsten, radikal linksorientierten Psychologie-Hochschullehrer. 1968 wurde Brückner zu einem Mitbegründer des Club Voltaire in Hannover.

Nachdem er als Gutachter den Erhalt des von Wolfgang Huber gegründeten Sozialistischen Patientenkollektivs befürwortet hatte, wurde ihm 1972 die Unterstützung der RAF vorgeworfen, und er wurde für zwei Semester vom Dienst suspendiert. In Cafés und an anderen außeruniversitären Veranstaltungsorten hielt er trotzdem weiter Vorlesungen für seine Studenten; er veröffentlichte u. a. Originalbeiträge in der politisch-satirischen Zeitschrift Der Metzger. 1977 wurde er Teil der sogenannten „Mescalero-Affäre“: Wegen der Mitherausgabe und Dokumentation des „Buback-Nachrufs“, den er im Sinn einer entwickelten Pressefreiheit gelesen sehen wollte, wurde er erneut suspendiert. Es folgte eine Reihe von Gerichtsverfahren. 1978 reiste Michel Foucault nach Hannover, um gegen Berufsverbote und für seine Rehabilitierung zu demonstrieren. 1981 wurden alle Disziplinarmaßnahmen aufgehoben.

In dritter Ehe war er mit Barbara Sichtermann verheiratet, sie hatten einen Sohn, den Filmemacher Simon Brückner (* 1978). 1982 starb Peter Brückner in Nizza an Herzversagen.

Im Dezember 2015 kam der Dokumentarfilm Aus dem Abseits in die Kinos, in dem Simon Brückner die Biographie seines Vaters nachzeichnet.

Arbeiten

In seinen Arbeiten beschäftigte sich Brückner mit Existenzialontologie, der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der Psychoanalyse, der politischen Situation der Bundesrepublik Deutschland der 1960er Jahre und dem Verhältnis von Individuum, Staat und Geschichte. In seinem Buch Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse versuchte er, das Phänomen der linken Stadtguerilla aus der historischen Situation der Bundesrepublik zu erklären und wies damit individual- und kriminalpsychologische Ansätze zurück. Für diese Publikation wurde er sowohl von Seiten der Konservativen angegriffen als auch von der RAF, die sich bemühte, das Erscheinen des Buches zu verhindern.

Schriften

  • Konflikt und Konfliktschicksal. Eine Einführung in die Verlaufsanalyse von Rorschach-Protokollen. Huber, Bern / Stuttgart 1963, DNB 450647250.
  • Freiheit, Gleichheit, Sicherheit. Von den Widersprüchen des Wohlstands. 1966.
  • mit Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie. Voltaire-Verlag, Berlin 1967.
  • Schülerliebe. Fakten und Analysen. Konkret Buchverlag, Hamburg 1974.
  • mit B. Sichtermann: Gewalt und Solidarität. 1974.
  • Sigmund Freuds Privatlektüre. 1975.
  • Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. 1976.
  • Die Mescalero-Affäre: ein Lehrstück für Aufklärung und politische Kultur. Internationalismus Buchladen und Verlagsgesellschaft, Hannover 1977, mehrfach neu aufgelegt, zuletzt Anares, Gießen 2002.
  • Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären. Wagenbach, Berlin 1978.
  • Über die Gewalt: Sechs Aufsätze zur Rolle der Gewalt in der Entstehung und Zerstörung sozialer Systeme. 1979, ISBN 978-3-8031-3502-5.
  • Das Abseits als sicherer Ort. 1980.
  • Gewalt und Solidarität. Zur Ermordung Ulrich Schmückers durch Genossen. Dokumente und Analysen.1982, ISBN 978-3-8031-1059-6.
  • Zerstörung des Gehorsams. Aufsätze zur politischen Psychologie. 1983, ISBN 3-8031-3516-8.
  • Vom unversöhnlichen Frieden. 1984, ISBN 978-3-8031-3522-3.
  • mit Alfred Krovoza: Staatsfeinde. Innerstaatliche Feinderklärung in der BRD. Vorwort von Michel Foucault. Rotbuch 1972; Wagenbach, Berlin 1984, ISBN 3-8031-1040-8.
  • Psychologie und Geschichte. Vorlesungen im Club Voltaire 1980/81. 1989, ISBN 978-3-8031-2407-4.
  • Sozialpsychologie des Kapitalismus 1974. Psychosozial-Verlag, Gießen / Argument, Hamburg 2004, ISBN 3-89806-260-0 (Psychosozial) / ISBN 3-88619-328-4 (Argument).
  • Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer. Wagenbach, Berlin 2008, ISBN 978-3-8031-2585-9.

Literatur

  • Alfred Krovoza, Axel R. Oestmann, Klaus Ottomeyer (Hrsg.): Zum Beispiel Peter Brückner. Treue zum Staat und kritische Wissenschaft. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-434-00430-0.
  • Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Benjamin Lemke (Hrsg.): Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners. Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, ISBN 978-3-8379-2226-4, Klappentext, Vorwort von Klaus-Jürgen Bruder.
  • Almuth Bruder-Bezzel, Klaus-Jürgen Bruder: Peter Brückner. In: Journal für Psychologie 3, 2, 1995. Online
  • Gernot Böhme: Über Peter Brückners politische Psychologie. In: Böhme, Alternativen der Wissenschaft, Suhrkamp, Frankfurt 1980 (stw 334), S. 198–214.

Film

  • Aus dem Abseits. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 112 Min., Buch: Simon Brückner, Sebastian Winkels, Regie: Simon Brückner, Produktion: credo:film, Kinostart: 3. Dezember 2015, Erstsendung: 29. August 2016 bei 3sat.
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Reference sources
References
http://www.zeit.de/1984/48/selbstbefreiung-in-der-normalisierten-welt/komplettansicht
https://web.archive.org/web/20130103090606/http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/fisoz/kzfss/nekrologe/ks02brueckner.htm
http://www.zeit.de/1975/43/brueckner-im-recht
https://archive.today/20171010184157/http://www.zeit.de/1999/14/199914.erinnern.3_.xml
https://www.epd-film.de/filmkritiken/aus-dem-abseits
https://archive.today/20151206213842/http://www.neues-deutschland.de/artikel/993550.mein-vater-die-ikone.html
https://d-nb.info/450647250
http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/details.php?p_id=2226
http://web.fu-berlin.de/postmoderne-psych/kongressband-2012/downloads/massenloyalitaet.pdf
http://web.fu-berlin.de/postmoderne-psych/texte/peter_brueckner.htm
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118515888
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