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Fritz Behn

Fritz Behn

German sculptor
Fritz Behn
The basics

Quick Facts

Intro German sculptor
Was Artist Sculptor Educator
From Germany
Type Arts Academia
Gender male
Birth 16 June 1878, Krakow am See, Rostock District, Mecklenburg-Vorpommern, Germany
Death 26 January 1970, Munich, Upper Bavaria, Bavaria, Germany (aged 91 years)
Politics Nazi Party
Fritz Behn
The details

Biography

Fritz Behn (* 16. Juni 1878 in Klein Grabow; † 26. Januar 1970 in München; vollständiger Name Max Adolf Friedrich Behn) war ein nationalsozialistischer deutscher Bildhauer, Medailleur, Großwildjäger und Autor politischer und fachlicher Schriften.

Leben und Werk

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918

Fritz Behn wurde auf dem Landgut seiner Eltern in Klein Grabow bei Güstrow geboren. Er war ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn und Urenkel des Lübecker Arztes Georg Heinrich Behn.

Nach dem Besuch der Nikolaischule in Leipzig wechselte Behn 1893 an das Katharineum zu Lübeck, wo er sein Abitur ablegte. Von 1898 bis 1900 besuchte er die Kunstakademie München und war dort Schüler von Adolf von Hildebrand und Wilhelm von Rümann.

Bereits in Leipzig zeigte sich seine künstlerische Begabung. Er reichte als Vierzehnjähriger bei einem Preisausschreiben der Zeitschrift „Der Gute Kamerad“ erfolgreich einen Entwurf für ein Old Shatterhand-Denkmal ein. In München gehörte er zu den frühen Mitgliedern des Deutschen Künstlerbundes und beteiligte sich bereits an dessen erster Ausstellung 1904 im Münchener Königlichen Ausstellungsgebäude am Königsplatz mit einer Bronzebüste des belgischen Grafikers Georges-Marie Baltus (1874–1967), sowie mehreren Plaketten und einem Goethe-Relief.

Der Essener Theaterdirektor Hans Gelling initiierte für den Stadtwald anlässlich des 100. Todestags Friedrich Schillers ein Denkmal in Form eines Brunnen, das Behn entwarf. 1907 wurde das Denkmal um eine Gesichtsmaske und zwei Reliefs aus Bronze ergänzt, die im Zweiten Weltkrieg als Metallspende genutzt wurden.

1907 bis 1909 folgten Reisen in die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Behn nahm anatomische Zeichenstudien an Großwild vor und arbeitete mit Totenmasken und Skelettteilen von erlegtem Wild.

Schon früh äußerte er sich im Sinne des vorherrschenden Zeitgeists zu kolonialpolitischen Fragen. So vertrat er 1911/12 in einem Zeitschriftenbeitrag die imperialistisch-rassistische Auffassung, man sei in den Kolonien entweder „Herr“ oder gar nicht. Die Kolonialfrage sei keine der Menschenrechte, der Gleichheit, der Freiheit oder der Moral. Das deutsche Kaiserreich („wir“) würde nicht deshalb Kolonien haben wollen, damit die Augen der Schwarzen leuchteten, „sondern weil wir uns ausdehnen müssen“. „Rassenmischungen“ bzw. Mischehen lehnte er – einem zeitgenössischen rassistischen Topos der Vergewaltigung weißer Frauen durch schwarze Männer folgend – in der „Zur Frage der Mischehen“ betitelten Schrift entschieden ab.

Im Winter 1911/1912 ging er zu einem längeren Studienaufenthalt nach Paris und besuchte den französischen Bildhauer Auguste Rodin.

1913 gewann Behn die Ausschreibung für ein zentrales, nationales Reichskolonialdenkmal in Berlin. Der Entwurf, ein monumentaler Elefant, fiel wegen der zu geringen ikonographischen Wirkung allerdings bei der Kritik und in der Öffentlichkeit durch. Eine erneute Ausschreibung oder eine Verwirklichung der Pläne war wegen des Ersten Weltkriegs nicht mehr möglich.

1914 meldete er sich zum Kriegseinsatz an die Westfront. Nach einem kurzen Fronteinsatz in Nordfrankreich war er von März 1915 bis zu seiner Entlassung Ende Januar 1916 im Hauptquartier von Kronprinz Rupprecht von Bayern in Lille tätig. Seit Kriegsbeginn vertrat er ausgesprochen nationalistische und antidemokratische Positionen.

Weimarer Republik

Auch nach Entstehen der demokratischen Republik blieb Behn bei seiner nationalistischen und antidemokratischen Haltung. Auch aus seinen Schriften wird sein Kampf gegen das Weimarer demokratische System deutlich. Gute Kontakte zu Adolf Hitler, den Behn offenbar früh wertschätzte, sind mindestens seit 1921 nachgewiesen. Der NSDAP schloss er sich bereits in deren früher „Kampfzeit“ an.

Seine politischen Präferenzen brachte er auch mit kunstpolitischen Urteilen in der Öffentlichkeit zum Ausdruck. Als 1921 probeweise eine Christusfigur des Expressionisten Ludwig Gies im Lübecker Dom aufgehängt wurde, bekämpfte Behn in der aufbrechenden Diskussion die Holzskulptur, die 1922 von anonymen Tätern heruntergerissen und zerstört wurde und 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ als Hauptbeispiel gezeigt wurde, öffentlich als „Kulturbolschewismus“.

Vom Textilunternehmer Otto Pongs wurden 1925 in Viersen 10.000 Mark zur Errichtung eines Denkmals zum „Gedächtnis der gefallenen Söhne unserer Stadt“ gestiftet. Die Summe wurde durch weitere Spenden vergrößert. Der Grundstein wurde am 9. Mai 1926, dem ersten Sonntag nach Abzug der belgischen Besatzungsstreitkräfte, gelegt. Für einen Entwurf Behns hatte der Denkmalausschuss sich nach einem Besuch in dessen Münchner Atelier entschieden. Der Entwurf in Anlehnung an eine Pietà zeigt eine sitzende trauernde Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß, auf einem zweistufigen Unterbau aus regionalem Muschelkalk. Das Denkmal besitzt eine Höhe von vier Metern. Aufgrund von Kritik trägt der ursprünglich nackte Krieger einen Lendenschurz. Das Denkmal wurde am 9. August 1926 eingeweiht. Die Stadt Viersen beschreibt und bewertet 2005: „Das Kriegerdenkmal ist in dieser Ausführung ein typisches Beispiel seiner Zeit, in der Ehrenmale als Sinnbilder für Opfermut und Heldentum sowie als Appell, alles „für das Vaterland“ zu geben, verstanden werden. [...] Ein Kriegerdenkmal soll die Angehörigen trösten, dem Tod einen Sinn verleihen und die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten. Die gehaltenen Reden zur Grundsteinlegung und Enthüllung des Viersener Kriegerdenkmals spiegeln den Zeitgeist wider. Dennoch handelt sich um ein betont unheroisches Denkmal, das Trauer und Leid in den Mittelpunkt stellt, indem es eine toten Soldaten und eine trauernde Mutter zeigt.“

Johannes Martini: Behn bei der Arbeit (um 1928)

Ab 1925 wohnte und arbeitete Behn wieder in Schwabing. Spätestens mit Beginn der 1920er Jahre wandte Behn sich dem Rechtsextremismus zu. Er war Mitbegründer des Bayerischen Ordnungsblocks, einem „Zusammenschluß von republikfeindlichen Verbänden“.

Von Januar 1925 bis August 1927 war Behn Präsident der Münchner Künstlergenossenschaft. Behn wurde nach einem Streit um die Qualität der Künstler zum Präsidenten gewählt, nahm das Amt aber nur an, als ihm weitgehende Entscheidungsfreiheit zugesichert wurde. Ebenso machte er den Rücktritt des gesamten alten Vorstandes und die Suspendierung der Mitgliederversammlung auf zwei Jahre zur Bedingung. Behn sorgt in dieser Position für Vergabe des Professorentitel an den sich zum Nationalsozialismus bekennenden Maler Edmund Steppes, der 1923 im Völkischen Beobachter gegen Alfred Rosenberg positive Beurteilung des Expressionismus angeschrieben hatte und dort weiter schrieb.

1927 wurde er selbst Mitarbeiter für bildende Kunst im Feuilleton des Völkischen Beobachters. Dazu prädestinierte ihn, dass er „als erklärter Anti-Modernist“ gegen die avantgardistischen Strömungen der 1920er Jahre und gegen das, wie er 1931 im Völkischen Beobachter mitteilte, „Chaos der Kulturzersetzung“ ankämpfte.

Zu dieser Zeit war Behn, der für München einige koloniale Plastiken, etwa eine Löwenfigur im Tierpark Hellabrunn, gestaltet hatte, ein gern gesehenen Vortragender bei der „Kriegerschaft deutscher Kolonialtruppen München“, deren Ehrenvorsitzender der rechtsextreme Multifunktionär Franz Ritter von Epp war. Die Deutsche Kolonialgesellschaft beachtete Behn in ihren Veröffentlichungen, so etwa anlässlich seines Geburtstages: Die Kunst im Dienste der Kolonial-Idee. Fritz Behn zum 50. Geburtstag in ihrer Zeitschrift.

1928 gehörte Behn zu den Initiatoren des nationalsozialistischen Kampfbunds für deutsche Kultur, der beabsichtigte, „die Werte des deutschen Charakters“, „sittliche und soldatische Werte“ zu vertreten und zu verteidigen und über Zusammenhänge zwischen Rasse, Kultur und Kunst zu informieren. Die Mitgliedschaft im Kampfbund setzte die Mitgliedschaft in der NSDAP voraus. Behns politische Haltung fand in seinem künstlerischen Werk Ausdruck, so in zahlreichen Denkmälern militärischer Gedenkpolitik und -kultur (Kriegerdenkmale), im Bremer Kolonial-Ehrenmal (1932), in einer Bronzebüste für den Altparteigenossen ehrenhalber der österreichischen NSDAP und Hitler-Verehrer Heinrich von Srbik, im überlebensgroßen Sämann aus Bronze (1925), der 1940 in einer Ausstellung an der Akademie der bildenden Künste in Wien gezeigt wurde, oder einem Frauenakt in Stein.

Am Altar der Kirche des Schlosses Ivenack wurde 1929, gestiftet von dem Grafenpaar Plessen, ein Kriegerdenkmal aus der Behnschen Werkstatt eingeweiht, das einen betenden Soldaten auf dem besiegten Feindtier zeigt und so die Vorstellung eines im Felde unbesiegten Heeres umsetzt. Sowohl die Umsetzung der Dolchstoßlegende als auch die Darstellung des Feindes als Tier sind für deutsche Kriegerdenkmale 1929 ungewöhnlich.

Ehemaliges Reichskolonialehrenmal Foto von 2013

Das von Behn als zentrales Monument der Reichskolonialbewegung, hier der Deutschen Kolonialgesellschaft, für die Überseehafenstadt Bremen entworfene und 1931 fertiggestellte „Reichskolonialehrenmal“ löste eine kontroverse lokale Diskussion aus, so dass es erst 1932 eingeweiht werden konnte. Es zeigte einen überlebensgroßen Elefanten und unter anderem ein ehrendes Bildnis des äußerst umstrittenen Kolonialoffiziers Paul von Lettow-Vorbeck, der führend an der genozidalen Niederschlagung des Herero- und des Nama-Aufstands in Deutsch-Südwestafrika (1904-1907) und am rechtsextremistischen Kapp-Putsch 1920 gegen die verfassungsmäßige Regierung beteiligt gewesen war. Unterhalb des Elefanten lag eine Krypta, in der die Namensliste der rund 1.500 deutschen Kolonialsoldaten verwahrt wurde, die den Weltkrieg nicht überlebt hatten. An den Seiten waren auf Tafeln die Namen der mit dem Friedensvertrag von Versailles verlorenen deutschen Kolonien angebracht. Der Entwurf stammte von Behn.

1931/1932 folgte eine weitere Reise nach Afrika. Behn war inzwischen ein „Star der kolonialistischen Bewegung“ (Wolfgang Schieder), wozu auch seine Afrikabücher beitrugen.

1931 fertigte er im Auftrag des Stifters Paul Reusch, gewichtiger Industrieller und Gründer der geheimen „Ruhrlade“, eine Bismarck-Statue für München. Die Ruhrlade unterstützte seit 1931 mit hohen Beträgen die NSDAP, und Reusch befürwortete eine Machtübergabe an diese Partei. Bismarck ist als mythische Heldengestalt, als wachsamer Hüter des Reiches nach dem Vorbild des Hamburger Bismarckdenkmals (erbaut 1901-06) dargestellt. Um den Aufstellungsort am Deutschen Museum gab es Streit, in dem Behn unterlag. Oskar von Miller, Begründer des Deutschen Museums, lehnte eine Aufstellung des Denkmals auf dem Gelände des Museums ab, da Bismarck zwar als Reichsgründer seine Bedeutung habe, Technik und Wissenschaft seien von ihm aber nur indirekt gefördert worden. Der Völkische Beobachter attackierte Miller als Parteigänger der „Räteregierung“ und „Internationalisten“, der einen deutschen Staatsmann nicht würdige. Noch heute steht die mächtige Bismarck-Statue auf städtischem Boden, nicht auf Museumsgrund. Behn versuchte ein weiteres Projekt in München durchzudrücken, einen Brunnen für den Platz am Sendlinger Tor, der größere und kostspielige Baumaßnahmen erfordert hätten. Behn habe nur - so die Bürgermeister - einen Skandal verursachen wollen; in Folge lehnte der städtische Bauausschuss einstimmig die „nationalsozialistischen Forderungen“ ab. Behn sei ein talentierter Künstler, aber auch ein brutaler Mann.

1931 wurde anlässlich des 100. Geburtstags Wilhelm Raabes in Braunschweig ein Wilhelm Raabe-Brunnen eingeweiht, dessen Gestaltung von Behn stammte. Kopf hinter dem Brunnenprojekt war Theodor Abitz-Schultze (1878–1963), Vorsitzender der in München ansässigen, 1931 gegründeten „Raabe-Stiftung“, deren weitere Vorstandsmitglieder Börries von Münchhausen und Werner Jansen waren. Die beiden Letztgenannten wurden zu Exponenten der NS-Literaturpolitik. Unterstützt wurde der Aufruf zum Denkmalsbau von einer größeren Zahl bekannter Schriftsteller, die zum Teil explizit nicht zum völkisch-nationalsozialistischen Spektrum gehörten wie Thomas Mann, Fritz von Unruh, Heinrich Vogeler. Abitz-Schultze hatte auch Behn als Gestalter durchgesetzt. Laut Horst Denkler ist Behns Raabe Denkmal durch „Geschmacksverirrungen“ und „heroisch-poetisch verkitschte“ Darstellungen gekennzeichnet. Raabe sei auf dem Denkmal zum ritterlichen Einhorn-Liebhaber stilisiert worden.

Hellinger-Wiesmann-Denkmal gestaltet von Behn auf dem Friedhof Speyer

Das Ehrenmal in Speyer für zwei der Attentäter auf die Regierung der pfälzischen Separatisten um Franz Josef Heinz, die beim Attentat umgekommenen Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann, die beide von Rechtsextremisten als „Märtyrer der nationalen Sache“ verehrt wurden, wurde 1931 von Behn entworfen. Den Auftrag zu dem Mord an den Separatisten hatte die bayrische Regierung erteilt, die Attentätergruppe wurde von Edgar Julius Jung geleitet.

Ab 1933 in der Zeit des Nationalsozialismus

Eine eigene Beziehung verband ihn mit Benito Mussolini, dem Führer der italienischen Faschisten. Schieder schätzt in diesem Zusammenhang Behn als „philofaschistischen Gesinnungskünstler“ und als „kritiklosen Bewunderer des 'Duce'“ ein, von dem Behn im Sommer 1934 mehrfach zu Audienzen eingeladen wurde. Behn habe Mussolini bei der Verfertigung einer martialischen Porphyrbüste, die nach seinem Rombesuch entstand, mit „höchstmöglicher Bewunderung“ als „großes edles Tier, geladen mit Energie und Kraft“ dargestellt. Er publizierte dazu 1934 ein Buch („Bei Mussolini - Eine Bildnisstudie“), in dem er sich auch als Antisemit artikulierte. So versprach er sich unter anderem „auch“ von Mussolini „eine präzise Antwort“ auf die „Judenfrage“, „denn die Juden scheinen sich auch dort [in Italien] zu sammeln“, was zu bekämpfen sei. 1937 erschien in der der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens der Union Deutsche Verlagsgesellschaft unter dem nationalsozialistischen Verleger Georg von Holtzbrinck eine weiter Stellungnahme Behns: „Bei Mussolini“.

1937 schuf Behn für die neuerrichtete Lutherkirche der Lübecker Luther-Kirchengemeinde ein Relief des Namensgebers in Übergröße und mit martialischen Gesichtszügen. Der Pfarrer der auftraggebenden Gemeinde war seit den 1920er Jahren „überzeugter Nationalsozialist und gehörte dem antisemitischen Bund für Deutsche Kirche an“. Vor Behn war bereits der ebenfalls Lübeck eng verbundene völkisch-nationalsozialistische bildende Künstler Erich Klahn dort im Gemeindeauftrag tätig geworden.

Im April und Mai 1937 war Behn in der Ausstellung „Deutsche Baukunst und Deutsche Plastik“ der von dem nationalsozialistischen Architekten Alexander Popp geführten Wiener Secession vertreten, die eine umfangreiche Präsentation „nationalsozialistischer Kunstauffassung“ in Österreich darbot (Susanne Panholzer–Hehenberger: „Die Propagandafunktion war offenkundig.“) Wie die anderen deutschen Beiträger wurde er zugleich zu einem korrespondierenden Mitglieder der Secession ernannt.

MAN Ehrenmal für 450 im WK I gefallene Mitarbeiter in Nürnberg, 1936 gestaltet von Behn. Die Nationalsozialistischen Monatshefte bilden es anlässlich eines Artikels zum 60. Geburtstag Behns ab. Die moderne Aufnahme zeigt eine neue Inschrift und das Schwert ist um seine Spitze verstümmelt.

Die Nationalsozialistischen Monatshefte veröffentlichten 1938 in fünf Ausgaben ganzseitige, schwarz-weiß Kunstdrucke mit Behns Werken, darunter drei Gemälde von afrikanischen Reisen, ein „Elch im Nebel“ und das Foto einer Plastik mit dem Titel „Arbeiterfigur“. In der Dezemberausgabe folgte ein Artikel Tatmensch und Künstler: Fritz Behn, dem wiederum Kunstdrucke u.a. von zwei afrikanischen Gemälden, dazu ein Bild des MAN-Ehrenmals, ein Foto des Künstlers und Fotos zahlreicher Tierplastiken beigefügt sind. Für die NS-Monatshefte zählt Behn zu den „nordischen und deutschen Vollmenschen“. Er sei in einer Reihe mit Goethe und Nietzsche zu nennen. Vor allem sein Heroismus hat es den Heften angetan: „Behn schuf in seiner afrikanischen Tierplastik den Typus einer neuen, nicht mehr im Atelier erdachten, sondern auf Erfahrung beruhenden, erkämpften heroischen Monumentalität.“ Das afrikanische Großwild entspreche der Erfahrungswelt der Ureuropäer. Auch „deutsches Wild“ zeige er in einer „heroisch-kämpferischen Haltung“. Behn sei nicht nur Tierplastiker, seine Ehrenmale für die Gefallenen des ersten Weltkrieges seien geprägt von seinem „Frontkämpfererlebnis“ und in der Büste für Hans Pfitzner, einen unbändigen Kämpfer gegen „artfremde“ Musik, begeistere ein heroischer Tatmensch sich über einen anderen.

1937 bis 1940 war er auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Deutschen Kunst in München mit fünfzehn Tierplastiken und drei figürlichen Skulpturen (1938: Arbeiterfigur und Gehendes Mädchen sowie 1939: Sämann) vertreten.

Nach dem Anschluss Österreichs wurde der am Kubismus orientierte Albert Bechtold von den Nationalsozialisten aus politischen Gründen aus der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er die Bildhauerklasse leitete, entfernt und zunächst durch eine von der NSDAP-Landesleitung eingesetzte kommissarische Führung ersetzt. Behn wurde zunächst im Januar 1939 mit einer Ausstellung geehrt, aber noch nicht berufen. 1940 wurde Behn in der Nachfolge zum leitenden Bildhauer und auch zum Direktor der Akademie berufen, eine Funktion, die er als Professor bis zu seiner Dienstenthebung mit dem Ende des Nationalsozialismus innehatte. Behn war mit dem Argument als Nachfolger von Bechtold vorgeschlagen worden, dass er im „Parteileben eine führende Stellung einnehme“. Behn wurde zum „Umfeld“ des späteren Gauleiters von Wien Baldur von Schirach gezählt.

Zur Hundertjahrfeier 1940 errichtete die Firma MAN in Augsburg ein Standbild ihres Gründers Heinrich von Buz in der Pose des fürsorglichen Herrschers, das Fritz Behn gestaltete.

Im August 1941 war Behn auf Einladung des Salzburger Gauleiters Friedrich Rainer Gast der Salzburger Festspiele.

1941/1942 durfte er an der Jubiläumsausstellung der Gesellschaft bildender Künstler Wien im Künstlerhaus anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens teilnehmen, die den „wohl repräsentativsten Querschnitt, insbesondere für die Plastik“ der NS-Kunst zeigte.

1942 beauftragte Schirach Behn mit einer Büste des NS-nahen Komponisten Richard Strauss, die sich heute im Besitz des Staates Österreich befindet, 1943 und 1944 erwarb er weitere Musikerbüsten Behns: Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler und Edwin Fischer.

1943 erhielt Behn gemeinsam mit Asmus Jessen, Erich Klahn und Hans Heitmann den zum ersten und letzten Mal vergebenen Emanuel-Geibel-Preis der Stadt Lübeck. Die Preisvorschläge der Lübecker Verwaltung bedurften der Zustimmung durch die NSDAP, die sie erhielten. Im gleichen Jahr verlieh Adolf Hitler ihm die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Zeitweise war Behn auch für die Zeitschrift Kulturdienst der NS-Kulturgemeinde verantwortlich. Behn stand auf der Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten bildenden Künstler des Regimes.

Auch mit verschiedenen Schriften trat Behn im Nationalsozialismus hervor. So publizierte er 1934 Bei Mussolini und 1935 Deutsches Wild im deutschen Wald. Zu diesem Buch schrieb ihm sein Freund Georg Escherich, Gründer der rechtsterroristischen „Orgesch“, das Geleitwort.

Postnationalsozialistische Ehrungen und Distanzierungen

1945 wurde Behn in Wien als ns-belastet entlassen und verlor seine Bezüge. Seine Arbeitsräume wurden beschlagnahmt und geräumt, Wohnung und Inventar vom Wiener Wohnungsamt weitergegeben. Behn klagte, Fritz Wotruba, neuer Leiter der Meisterklasse für Bildhauerei an die Akademie der bildenden Künste in Wien, und andere würden ihn mit Hilfe einer „Linkspresse“ zum „Nazi-Bildhauer“ stempeln. Er habe jedoch immer in Gegnerschaft zum NS-Regime gestanden und sei nie von der NSDAP beauftragt worden. Nie sei auch nur ein Plastik von ihm aufgestellt worden. Behn war anschließend gezwungen, freischaffend mit einer Bildhauerschule in Ehrwald (Tirol) und ab 1951 in München tätig zu sein.

Wegen seiner Nähe zum NS-Regime galt er im westdeutschen Kulturbetrieb zunächst als nicht mehr vertretbar. Nach 1951 konnte er, alte Seilschaften nutzend, in München erneut Fuß fassen, Berührungsängste waren verflogen. Er fertigte nun u. a. Porträts von Maria Callas, Ricarda Huch, Albert Schweitzer, Theodor Heuss, Pius XII. oder von Paul von Lettow-Vorbeck, den er schon 1931 gewürdigt hatte.

1960 fertigte Behn die Großplastik eines Kudu für Windhuk, Verwaltungszentrum eines von Südafrika beherrschten Territoriums und zuvor des Kolonialgebiets "Deutsch-Südwest".

1968 wurde er zu seinem 90. Geburtstag mit der Lübecker Senatsplakette ausgezeichnet.

Das Kurhaus in Bad Dürkheim (2005), Sitz des Behn Museum, Bau aus dem Jahr 1937

1973 initiierte Fritz Kiehn, vormals NSDAP-Reichstagsabgeordneter mit dem Ehrentitel "Alter Parteigenosse", in Bad Dürkheim ein Behn-Museum. Robert von Schirach, Sohn des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach und Großjagdführer aus Tanganjika, vermittelte den Kontakt zwischen den beiden. Behn war für Kiehn ein Opfer des Untergangs des NS-Regimes, der eine mögliche Universitätslaufbahn verhindert habe. Behn hatte Tanganjika bereist, Kiehn besaß dort eine Jagdfarm. Nach Behns Tod sicherte sich Kiehn die Rechte an dessen Werken. 1973 eröffnete er im "Haus des Gastes", der städtischen Tourismuszentrale, Räumlichkeiten für Werke von Behn, für Tiertrophäen, ethnographische Erinnerungsstücke- und Jagdutensilien. Weitere Skulpturen beschaffte Kiehn für seine Heimatstadt Trossingen. Bei der Eröffnung erklärte Kiehn Behn zu einem der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Im Bad Dürkheimer Kurpark wurden Tierplastiken und andere Skulpturen von Behn aufgestellt. Weitere Plastiken stellte Kiehn in den Park seiner Villa.

Im November 2007 wurde die Behn-Sammlung nach dem Tod von Kiehn aufgelöst und von den Erben zum größten Teil versteigert. Im Jahr darauf kündigte die Stadt den Kiehn-Vertrag, der auf die Erbengemeinschaft übergegangen war, nachdem die Museumsräume kaum besucht wurden (2004 drei Besucher).

Denkmale und Einzelplastiken (Auswahl)

  • Todesgenius, Grabmal Daniel Schutte (1901; Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof)
  • Sitzender Knabe, Grabfeld Familie Cohen (1901; Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof)
  • Geflügelter Chronos, Grabfeld Familie Held (1904; Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof)
  • Brahms-Herme (um 1906)
  • Johannes der Täufer, Brunnen auf dem Schulhof des Johanneum zu Lübeck (1907)
  • Schillerbrunnen im Essener Stadtwald (1907/1908)
  • Wettbewerbsentwurf für ein Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück (1910; gemeinsam mit dem Architekten Paul Bonatz; nicht prämiert)
  • Jüngling mit Füllhorn, Grabmal Sieveking, Hamburg Ohlsdorfer Friedhof (1911) (Ohlsdorf Kat. Nr. 586)
  • Büste des Staatssekretärs Solf, Bronzeplastik (vor 1912)
  • Der Tänzer Nijinski, Porzellanfigur (1912)
  • Diana mit springender Antilope in Köln (1916)
  • Sterbender Krieger, Ehrenfriedhof (Lübeck), Travemünder Allee (1919)
  • Pantherplastik, Südpark, Köln-Marienburg (um 1920)
  • Sämann, Bronzeplastik in Ehrwald (1925)
  • Schreitende Antilope in der Nähe des Holstentors in Lübeck (um 1925)
  • Kriegerdenkmal im Alten Stadtgarten in Viersen (1926)
  • Projekt Reichs-Kolonial-Ehrenmal nahe der Wartburg, nicht realisiert (1930)
  • Koloniales Ehrenmal für Bremen (1932), siehe auch Hermann-Böse-Gymnasium
  • Tierplastiken im Lübecker Eschenburg-Park Lübeck
  • Bismarckstatue beim Deutschen Museum in München (1931)
  • Fauchender Leopard, Behnhausgarten Lübeck (1932)
  • Panther im Lübecker Schulgarten (1934)
  • Reh, an der Stadtbibliothek Lübeck-Schlutup (um 1934)
  • Röhrender Hirsch (undat.)
  • Benito Mussolini (1934)
  • Orang-Utan, Granitskulptur im Zoologischen Garten Berlin (1935)
  • Martin Luther, Wandplastik aus Muschelkalk an der Lutherkirche in Lübeck (1937)
  • Bildnisbüste Wilhelm Furtwängler in der Österreichischen Galerie Belvedere (undat.)
  • Bildnisbüste Karl Hoppenstedt (erster Präsident des Landgerichts Lübeck) im Flur des Sitzungsflügels des Landgerichts Lübeck (undat.)
  • Bildnisbüste Hans Knappertsbusch in der Österreichischen Galerie Belvedere (undat.)
  • Porphyrbüste Benito Mussolini (1934)
  • Bildnisbüste Hans Pfitzner in der Österreichischen Galerie Belvedere (undat.)
  • Bronzebüste Heinrich von Srbik (undat.)
  • Bildnis Richard Strauss in der Sammlung Fritz Kiehn (undat.)
  • Büste von Paul von Lettow-Vorbeck (1960)
  • Kudu, Bronze-Plastik auf gemauertem Sockel an der Independence Avenue (damals Kaiser St.) in Windhoek, Namibia (1960)

Schriften

  • Skizzen aus dem Heiligen-Geist Hospital zu Lübeck. (14 Bildtafeln nach Aquarell- und Öl-Bildern in Liebhaberdruck. 14 Texttafeln in Facsimiledruck.) Ernesto Tesdorpf, Lübeck 1899
  • Naturerhaltung und Wildmord in Deutsch-Ostafrika – ein Kulturskandal. 1911 Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 10(51): 801-807.
  • Zur Frage der Mischehen, in: Süddeutsche Monatshefte, 10/1, 1912/13, S. 156ff.
  • Afrikanische Visionen. 14 Lithographien. Piper, München 1914
  • „Haizuru ...“. Ein Bildhauer in Afrika. (mit 16 Zeichnungen und 100 photographischen Aufnahmen des Verfassers) G. Müller, München 1917
  • Amerikanismus in Deutschland, in: Süddeutsche Monatshefte, H. 27 (1919), S. 672ff.
  • „Freiheit“. Politische Rand-Bemerkungen. Riehn, München 1920.LaL4
  • Kunst und Tendenz, mit Nachwort von Wilhelm Weiß, in: Völkischer Beobachter, Nr. 94, 24. April 1929
  • Kwa Heri, Afrika! Gedanken im Zelt (mit 16 Zeichnungen des Verfassers) Cotta, Stuttgart / Berlin 1933LaL4
  • Bei Mussolini. Eine Bildnisstudie. Cotta, Stuttgart / Berlin 1934LaL1
  • Tiere. (Geleitwort von Ludwig Heck) Cotta, Stuttgart/Berlin 1934
  • Deutsches Wild im deutschen Wald. (mit 20 Zeichnungen und einem Bildnis Behns) Cotta, Stuttgart 1935
  • Beitrag zu: Oswald Spengler zum Gedenken. Hrsg. von Paul Reusch, Bearbeitet von Richard Korherr, Nördlingen 1938, Titelblatt mit Büste Spenglers von Behn

Bei den mit LaL gekennzeichneten Schriften handelt es sich um Schriften, die in der „Liste der auszusondernden Literatur“ der Sowjetische Besatzungszone aufgeführt sind. Die Ziffern bezeichnen den dazugehörigen Einzeltitel, in dem das Werk von Behn gelistet ist.

Literatur

  • Klaus W. Jonas: Der Bildhauer Fritz Behn. In: Der Wagen, Jahrgang 2000, S. 190–214.
  • Barbara Leisner, Ellen Thormann, Heiko K. L. Schulze: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 2, Katalog, Hamburg Christians Verlag 1990.
  • Hugo Schmidt (Hrsg.): Fritz Behn als Tierplastiker. Hugo Schmidt, München 1922. (= Hugo Schmidts Kunstbreviere, Band 1.)
  • Sabine Spindler: Fritz Behn. In: Sammler Journal Mai 2014 S.30-38 online
  • Joachim Zeller: Umstritten, vergessen. Der Tierplastiker Fritz Behn. In: Ursel Berger, Günter Ladwig (Hrsg.): Tierplastik deutscher Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Sammlung Karl. H. Knauf. Berlin 2009, S. 42–51.
  • Joachim Zeller: Wilde Moderne. Der Bildhauer Fritz Behn (1878-1970), Nicolai Verlag, Berlin 2016.
  • Jan Zimmermann: „Ich hatte allerlei auf dem Herzen, was ich der Jugend bei dieser Gelegenheit sagen möchte“. Thomas Manns Teilnahme an der 400-Jahrfeier des Katharineums zu Lübeck im September 1931. In: Britta Dittmann, Thomas Rütten, Hans Wißkirchen, Jan Zimmermann (Hrsg.): „Ihr sehr ergebener Thomas Mann“. Autographen aus dem Archiv des Buddenbrookhauses. Schmidt-Römhild, Lübeck 2006.
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