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Benedikt Carpzov

Benedikt Carpzov human (1595-1666)

human (1595-1666)
The basics
Quick Facts
Intro human (1595-1666)
A.K.A. Ludovicus de Montesperato
Countries Germany
Occupations University teacher Jurist
Gender male
Birth 27 May 1595 (Lutherstadt Wittenberg)
Death 30 August 1666 (Leipzig)
Star sign GeminiGemini
The details
Biography

Benedikt Carpzov der Jüngere (* 27. Mai 1595 in Wittenberg; † 30. August 1666 in Leipzig) war deutscher Strafrechtler und Hexentheoretiker. Er gilt als einer der Begründer der deutschen Rechtswissenschaft. Sein Pseudonym war Ludovicus de Montesperato.

Leben

Benedikt Carpzov der Jüngere ist der Sohn von Benedikt Carpzov dem Älteren aus der Familie Carpzov. Er wuchs in Colditz auf, wo er angehalten von seinem Vater durch Privatlehrer ausgebildet wurde. Er begann gemeinsam mit seinem Bruder Konrad Carpzov 1610 seine Studien an der Universität Wittenberg, um sich der Philosophie und Jurisprudenz zu widmen. Seine Studien, die sich bald ausschließlich auf die Rechtswissenschaft bezogen, setzte er 1615 an der Universität Leipzig und 1616 an der Universität Jena fort. Nachdem er 1618 nach Wittenberg zurückgekehrt war, disputierte er unter Wolfgang Hirschbach am 3. Dezember zum Lizentiaten und promovierte am 16. Februar 1619 zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Im April verließ er Wittenberg, um eine Bildungsreise nach Italien zu unternehmen. Dort gelangte er über Venedig nach Rom, lernte dort Italienisch, reiste weiter nach Neapel, Frankreich, England und Holland. An letzterem Orte erhielt er einen Brief seines Vaters, der ihm mitteilte, dass ihm der Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen eine Stelle am sächsischen Schöppenstuhl in Leipzig in Aussicht stellte. Am 25. April 1620 leistete er zu diesem Zweck seinen Amtseid als außerordentlicher Assessor ab und wurde 1623 ordentlicher Assessor. 1632 stieg er zum Senior der Einrichtung auf, wirkte ab 1636 am Oberhofgericht in Leipzig und wurde am 25. Juni 1639 Rat am Appellationsgericht.

Im August 1644 berief ihn der Kurfürst als Hof- und Justizienrat nach Dresden. Er trat aber sein Amt nicht an, weil Sigismund Finckelthaus gestorben war. Daher kehrte er mit seiner Familie am 25. März 1645 nach Leipzig zurück und übernahm eine Professur an der juristischen Fakultät der Leipziger Akademie. Am 24. Februar 1648 übernahm er das Ordinariat an der juristischen Fakultät und den Vorsitz am Schöppenstuhl. In Leipzig heimisch geworden, konnte er sich einer Berufung als Geheimrat nach Dresden 1653 nicht entziehen. Als er 1661 aus Altersgründen entlassen wurde, ging er wieder zurück nach Leipzig und nahm sein Richteramt am Schöppenstuhl wieder auf. In zunehmenden Alter bekam er Stein- und Gliederschmerzen. Außerdem ermattete er nach einem starken Durchfall. Auch die damalige ärztliche Kunst konnte diesen Durchfall nicht beheben, worauf er unter dem Gesang der Umstehenden verstarb.

Er wurde in der Paulinerkirche beigesetzt. Sein Epitaph konnte vor der Sprengung der Kirche 1968 gerettet werden und wurde 2011 restauriert.

Wirken

Als eher konservativer, ordnender und zusammenfassender Autor war er vor allem bedeutend bei der Begründung eines eigenständigen deutschen Rechtssystems. Von seiner eigenen Erfahrung ausgehend, verfasste er seine Werke, die vor allen Dingen am Fall orientiert waren. Sein bekanntestes Werk ist die Practica nova Imperialis Saxonica rerum criminalium, in der er das materielle Strafrecht und das Strafprozessrecht vom Anfang des 17. Jahrhunderts darstellt. Das deutsche Strafrecht erfuhr durch dieses Buch eine so umfassende und eindringliche Darstellung, dass ihm ein Jahrhundert lang fast gesetzesgleiche Autorität zukam. Sein letztes großes Werk Processus juris in foro Saxonica war lange ein in der Ausbildung des Prozessrechts gültiges Lehrbuch.

Carpzov, der tief in der Religiosität seiner Zeit verwurzelt war, war auch im Strafrechtsdenken stark religiös geprägt und von der Schule von Salamanca, insbesondere von Diego de Covarrubias y Leyva beeinflusst. Ein Verbrechen galt als Auflehnung, letztlich als Beleidigung Gottes selbst. So war für Carpzov der Täter nicht nur ein Rechtsbrecher, der gegen ein staatliches Verbot verstoßen, sondern auch ein Sünder, der sich gegen Gott aufgelehnt hatte. Die Strafe besaß für ihn neben der Vergeltung auch die Funktion der Abschreckung der Allgemeinheit vor dem Verbrechen. Neben der zeitbedingten Härte seiner Strafauffassung (mitten im Dreißigjährigen Krieg) sollte dennoch das Strafmaß des Rechtsbrechers gerecht ausgewogen werden.

Diesem Ziel diente unter anderem eine Verfeinerung des Schuldbegriffes, eine begrenzte Anordnung der außerordentlichen Strafe sowie eine Einschränkung der rechtlichen Auslegung und Analogie. In Strafprozessen bemühte er sich darum, die Anwendung der Folter in möglichst engen Grenzen zu halten und eher einen Schuldigen freizusprechen als einen Unschuldigen zu verurteilen. In Prozessen gegen Hexen, an deren Existenz Carpzov nicht zweifelte, werden ihm eine Vielzahl von Todesurteilen nachgesagt. Allerdings ist keine einzige Beteiligung Carpzovs an einem Todesurteil gegen Hexen nachweisbar.

Familie

Epitaph in der Universitätskirche St. Pauli (2017)

Benedikt Carpzov schloss zwei Ehen: Die erste Ehe am 28. August 1627 mit Regina Cramer von Clausbruch (* 20. Juni 1603 in Leipzig; † 14. Juni 1637 ebenda), der Tochter des Erbsassen auf Meuselwitz Heinrich Cramer von Claußbruch († 31. August 1615 in Meuselwitz) und dessen Frau Catharina Vollkommer. Während seiner zehnjährigen Ehe mit ihr wurden drei Söhne und zwei Töchter geboren: Benedikt Carpzov, Heinrich Julius Carpzov, Benedikt Heinrich Carpzov, Regina Elisabeth Carpzov und Regina Christina Carpzov, welche alle in ihrer Jugend starben.

Seine zweite Ehe ging er am 15. November 1640 mit Catarina, der Tochter des Leipziger Professors der Theologie Mauritius Burchard ein. Aus ihrer Ehe gingen keine Kinder hervor.

Ehrung

Carpzovstraße, Leipzig: Im Jahre 2001 benannte die Stadt Leipzig eine Straße nach Benedikt Carpzov.

Werke

  • Practica nova imperialis Saxonica rerum criminalium. Wittenberg 1635, Frankfurt/Main 1752 Nachweis zu Digitalisaten der Ausgabe 1670
  • Peinlicher Sächsischer Inquisition und Achts-Prozeß. Leipzig 1638, 1733
  • Processus juris in foro Saxonica. Frankfurt/Main 1638, Jena 1657, 1708
  • Responsa juris electoralia. Leipzig 1642
  • Jurisprudentia ecclesiastica seu consistorialis. Hannover 1649, 1721
  • Jurisprudentia forensis Romano-Saxiona. Frankfurt/Main 1638, Leipzig 1721

Literatur

  • Günter Jerouschek, Wolfgang Schild & Walter Gropp (Hrsg.): Benedict Carpzov. Neue Perspektiven zu einem umstrittenen sächsischen Juristen. Edition diskord, Tübingen 2000, ISBN 3-89295-695-2
  • Thomas Robisheaux: Zur Rezeption Benedict Carpzovs im 17. Jahrhundert. In: Herbert Eiden & Rita Voltmer (Hrsg.): Hexenprozesse und Gerichtspraxis. Spee, Trier 2002, ISBN 3-87760-128-6, S. 527–543
  • Ulrich Falk: Zur Folter im deutschen Strafprozeß. Das Regelungsmodell von Benedict Carpzov (1595–1666). In: forum historiae iuris. 20. Juni 2001 (PDF)
  • Sieghardt von Köckritz: Die Bedeutung des Willens für den Verbrechensbegriff Carpzovs in der Practica nova imperialis Saxonica rerum criminalium. Diss. 1956
  • Bernhard Heitsch: Beweis und Verurteilung im Inquisitionsprozeß Benedict Carpzovs. Juristische Dissertation. Göttingen 1964
  • Winfried Trusen: Benedict Carpzov und die Hexenverfolgungen. In: Ellen Schlüchter & Klaus Laubenthal (Hrsg.): Recht und Kriminalität. Festschrift für Friedrich-Wilhelm Krause zum 70. Geburtstag. Heymann, Köln [u. a.] 1990, ISBN 3-452-21890-2, S. 19–35
  • Rudolf Hoke: Die Souveränitätslehre des Benedict Carpzov. In: Herbert Haller, Christian Kopetzki, Richard Novak, Stanley L. Paulson, Bernhard Raschauer, Georg Ress & Ewald Wiederin (Hrsg.): Staat und Recht. Festschrift für Günther Winkler. Springer, Wien/New York 1997, ISBN 3-211-83024-3
  • Tim Schaetze: Benedikt Carpzov als Dogmatiker des Privatrechts. Shaker, Aachen 1999, ISBN 3-8265-5879-0
  • Christian von Bar & Peter Dopffel: Deutsches internationales Privatrecht im 16. und 17. Jahrhundert. Mohr, Tübingen 1995, ISBN 3-16-146448-6, S. 300–410
  • Fritz Roth: Restlose Auswertung von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Band 4, R 3329
  • Johann Friedrich Jugler: Beiträge zur juristischen Biographie. Johann Samuel Heinsius, Leipzig 1773 (GoogleBooks)

Fachlexika

  • Theodor Muther: Carpzov, Benedict II. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 11–20.
  • Erich Döhring: Carpzov, Benedict. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 156 f. (Digitalisat).
  • G. Müller, Tholuck: Carpzov, Familie. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 3, Hinrichs, Leipzig 1897, S. 725–731.
  • Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon: Autoren und Werke deutscher Sprache. Band 2, S. 374, Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh und München 1988–1991 (CD-ROM Berlin 1998 ISBN 3-932544-13-7)
  • Carpzov, Benedictus, ein Sohn des vorgedachten Benedicti. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 5, Leipzig 1733, Spalte 1134.

Fußnoten


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Sources
References
http://books.google.com/books?id=1wViDzPErKsC&pg=PA269#v=onepage&q=Carpzov&f=false
http://swb.bsz-bw.de/DB=2.104/SET=1/TTL=1/CMD?retrace=0&trm_old=&ACT=SRCHA&IKT=2999&SRT=RLV&TRM=118667246
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=170
http://fhi.rg.mpg.de/2001-06-falk/?l=de
http://fhi.rg.mpg.de/media/zeitschrift/0106falk-folter.pdf
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1301548378395
http://www.stadtwikidd.de/wiki/Benedikt_Carpzov
http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN372056172%7CLOG_0010
http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN372056172%7CLOG_0024
http://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Carpzov_1072
http://www.tripota.uni-trier.de/kuenstler.php?persID=P00107
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