Heinrich Staudinger
Quick Facts
Biography
Heinrich „Heini“ Staudinger (* 5. April 1953 in Vöcklabruck) ist ein österreichischer Unternehmer.
Leben
Heinrich Staudinger wuchs in Schwanenstadt in Oberösterreich in einem katholischen Elternhaus auf. Er begann in Wien diverse Studienrichtungen, u. a. Medizin und gründete 1980 mit dem Verkauf von Schuhen der dänischen Marke Earth Shoe ein Schuhgeschäft in Wien in der Langen Gasse im 8. Wiener Gemeindebezirk, welches sich zum Unternehmen GEA (später GEA / Waldviertler) entwickelte – mit Direktversand, Werksverkauf und Messen in Schrems, weiteren 33 Filialen in Österreich, 18 Filialen in Deutschland und einer Filiale in der Schweiz (April 2016).
GEA / Waldviertler
1984 wurde in Schrems im Waldviertel eine selbstverwaltete Schuhfabrik Waldviertler Schuhwerkstatt – die die Waldviertler-Schuhe und andere Produkte produziert und entwickelt – gegründet, wo er als inzwischen ehemaliger Vertriebskunde ab 1991 Miteigentümer war und nun Mehrheitseigentümer ist. Die Fabrik wurde um eine Möbelwerkstatt erweitert. 2009 wurde in Schrems eine Halle aus dem Ergee-Konkurs gekauft, 2013 das leerstehende Hotel Post, das im Mai 2013 als Teil der GEA Akademie (wieder-)eröffnet wurde.
Im GEA Verlag erscheint seit 2004 die Zeitschrift brennstoff, eine Weiterentwicklung von Beiträgen und Glossen in den seit „1997 ‚dank‘ einer Krise“ erscheinenden Werbeheften GEA Album.
2005 initiierte Staudinger die alternative Währung Waldviertler.
2012 und laufend (Jänner 2014) Kreditfall Staudinger, siehe Abschnitt unten.
Im Sommer 2013 kündigte er die GEA Formel Z an (Formel Z: GEA versus Red Bull – Formel 1 versus Formel Z):
„... Der Formel-1-Rennstall von Red Bull hat uns auf eine gute Idee gebracht, wenngleich unsere Sebastian Vettels ganz anders drauf sind ... Die größte Gruppe der Armen sind die alleinerziehenden Mütter ... ist es doch saublöd, wenn unsere Gesellschaft tatenlos zuschaut, wie diese große Gruppe in Armut lebt ... Den AlleinerzieherInnen für die gleiche Arbeit mehr Lohn zu geben, kann zu Spannungen in der Belegschaft führen. Trotzdem wollen wir ... helfen, den Druck der AlleinerzieherInnen zu lindern ... bei Steuerexperten erkundigt, wie wir das anstellen könnten. Das Ergebnis ist ernüchternd ... das darf doch nicht wahr sein. Didi Mateschitz, also Red Bull, darf alle Ausgaben (angeblich mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr) für seinen Formel-1-Rennstall als Marketing-Aufwand von der Steuer absetzen ... so wie Red Bull brauchen auch wir einen Rennstall ... Die GEA Formel Z. Z wie Zukunft. In dieser Formel Z gehen die Kinder an den Start ... Jeremias, Marko und Marlene und und und ... Natürlich werden alle unsere PilotInnen Gagen bekommen. Angemessene Gagen, die ihr Fortkommen, ihr Vorankommen verbessern sollen. In der Formel 1, da geht’s um nichts (ich verstehe schon die Faszination von Geschwindigkeit und Technik), in unserer Formel Z hingegen, da geht’s um alles. Da geht’s nicht nur um die Zukunft unserer Kinder, sondern da geht’s um die Zukunft unserer Gesellschaft. Noch heuer soll das erste Rennen stattfinden ...“
Genossenschaft
Seit Mitte der Nullerjahre befasst sich Staudinger mit der Idee, sein Unternehmen in eine Genossenschaft zu überführen. 2006 besuchte er die baskische Mondragon, und seit 2012, als er die TAZ-Leute kennenlernte, ist ihm „das Genossenschaftsmodell der TAZ Vorbild“. 2014 gründete er die „Rückenwind COOP“ als „Förderungs- und Prüfungsverein gemeinwohlorientierter Genossenschaften“.
Kreditfall Staudinger / Crowdfunding-Gesetz
Mit dem Kreditfall Staudinger wurde Heinrich Staudinger 2012 zur Staatsaffäre und erhielt internationale Aufmerksamkeit. Weil er von seiner Hausbank keinen Kredit mehr bekam, lieh er mit einer Art Crowdfunding Geld von seinen Freunden und Kunden. Daraufhin wurde gegen ihn von der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet, da er durch die Vergabe von Krediten unerlaubt das Geschäft einer Bank betrieb. In diesem Zusammenhang erhielt Staudinger argumentative Unterstützung von Christoph Leitl, dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich.
Auf einer Demonstration vor dem Wiener Parlament am 7. Dezember 2012 bekräftigte Heini Staudinger seinen Entschluss, die von der FMA geforderte erste Strafe in der Höhe von 2000 Euro nicht zahlen zu wollen und sich notfalls einsperren zu lassen.
2013 schrieb er die Erweiterung der Solaranlage aus, wiederum finanziert mit der Ausgabe von GEA „Sonnen-Gut-Scheinen“.
„Die FMA (die Finanzmarktaufsicht) findet diese Projekte nicht so super. Ich jedoch vertraue auf die Demokratie, in der es keine höhere Instanz gibt als das Volk. Das Volk hat ein Recht und die Pflicht, selber aktiv zu werden ... Wir wollen saubere Energie, wir wollen eine gesunde Erde, wir wollen die Wende. JETZT!“
Am 17. Jänner 2014 wird bekannt, dass auch eine letzte Gerichtsentscheidung gegen Heini Staudinger ausging. "Nach dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) und dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) bestätigte auch der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) die Rechtsmeinung der Finanzmarktaufsicht (FMA). Bis Ende Jänner 2014 gewährt die FMA Staudinger eine Nachfrist, um entweder das ausgeborgte Geld zurückzuzahlen oder alternative Lösungen vorzulegen." Staudinger hatte 3 Mio. Euro zur Finanzierung einer Photovoltaikanlage und einer Lagerhalle bei Privatleuten eingesammelt. Die FMA wurde in ihrer Rechtsmeinung bestätigt, dass es sich dabei um ein Bankgeschäft handle, wofür er eine Bankkonzession brauchen würde. „Nicht öffentliche Anleihe oder die Nachrangigkeitserklärung“ waren laut seinem Bruder und Anwalt Karl Staudinger die Alternativvarianten in Überlegung. Laut Kurier vom 21. Jänner 2014 möchte Staudinger das rechtskonforme Nachrangigkeitsdarlehen – der GmbH bei 4 % Zinsen p. a. – anwenden und gibt dazu noch eine persönliche Bürgschaft. Rechtsvertreter RA Dr. Markus Distelberger nimmt in seinem Forumbeitrag vom 23. Jänner Stellung dazu und sieht die herrschende Rechtslage als reformbedürftig.
Crowdfunding-Gesetz
„Die „Waldviertler“ haben einiges bewirkt. Ihr Kampf um die Legalisierung des eigenen Finanzierungsmodells hat in der Bevölkerung und Politik Bewusstsein für die Problematik geschaffen. Dank des inzwischen neu verabschiedeten Crowdfunding-Gesetzes ist es nun um vieles einfacher, Geld von Privatpersonen zu leihen.
Alleine dass die Firma trotz der widrigen Umstände immer noch existiert, könnte man bereits als Erfolg werten. Sie schreiben zudem schwarze Zahlen und bilden neue Lehrlinge in einer konjunkturschwachen Grenzregion aus, um das Aussterben der Schuhproduktion in Europa zu verhindern.“
Prinzipien, Firmengrundsätze
„... die wirklichen Prinzipien des Lebens das Leben selber schreiben müsse. Und da es in unserem Leben ganz wesentlich ist, ob wir in unseren Angelegenheiten von Angst getrieben oder mutige Gestalter sind, ob wir klug oder blöd sind und ob wir uns von der Liebe leiten lassen oder vom Geld, handeln unsere Firmenprinzipien von diesen wesentlichen Haltungen im Leben.
... Sehr gerne diskutiere ich mit meinen Neffen und Nichten (im Alter von 3 bis 14 Jahren) über unsere Firmengrundsätze. 1. Scheiß di ned au! 2. Bitte, sei ned so deppat! ... mit großer Ernsthaftigkeit, dass nichts im Leben uns mehr hindert als die Angst. Dass es aber genug Situationen im Leben gibt, wo Mut alleine nicht genügt. Und drum ist unser zweiter Grundsatz auch sehr wichtig, nämlich nicht deppat zu sein, sondern klug ... eines Abends ... diskutierten wir wieder über unsere Grundsätze, da fragte mich die kleine Rosi: ‚Heini, habt ihr nicht auch noch einen dritten Firmengrundsatz?‘ Ich dachte bis dahin, dass diese zwei Grundsätze genug wären. Ich wollte sie aber nicht enttäuschen, drum sagte ich: ‚Ja, freilich haben wir noch einen dritten Grundsatz.‘ Und während Rosi noch fragte: ‚Und wie heißt der?‘, dachte ich mir, mutig und klug sind Einbrecher auch, jedoch fehlt ihnen die sinnvolle Orientierung. Und so sagte ich zu Rosi: ‚Unser dritter Grundsatz ist der allerwichtigste, und er heißt: Orientiere dich an der Liebe!‘“
Audio
- 2013 Im Gespräch: Bürgerrecht vor Bankenrecht. Ö1
- 2014 Gedanken: Heinrich Staudinger – Wirtschaftsrebell und Unternehmer. Ö1
Film
- Nicole Scherg: Das Leben ist keine Generalprobe, Österreich 2016, Digital Video/DCP, 90 min., mit Unterstützung von BMUKK Innovative Film, ORF Film/Fernsehabkommen Innovation, Land Niederösterreich